Lieber Jesus, mach aus Wasser Wein!

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Ich gebe zu, in dem Moment, wo ich diese Zeilen schreibe, hat sich ein wenig Frust in mir breitgemacht, obwohl ich mir natürlich völlig bewusst bin, dass wir es in unserer heilen Schweiz noch gut haben. Ich bin so unendlich dankbar, dass die Mutter von Jesus, er selber und seine Jünger an diese Hochzeit in Kana (Johannes Evangelium, Kapitel 2) eingeladen waren und auch tatkräftig einen Beitrag zum Fest leisteten. Dies hat einer falschen Verklärung des Gottessohnes durch uns Christinnen und Christen in der Nachfolge eine radikale Absage erteilt. Jesus war auch ein Mensch, in einem menschlichen Leben mit all seinen Schönheiten und Abgründen. Dazu gehörten auch soziale Kontakte, Freundschaften, Feste, Feiern und Musik.

Jesaja 25,6-8: Das Festmahl der Völker
Ich lege noch einen oben drauf: In Jesaja 25 steht klar und deutlich, dass Gott selbst ein Fest anordnet und ausgibt: «Der Herr Zebaot wird allen Völkern auf dem Berg Zion ein üppiges Festmahl bereiten. Es wird erlesene Weine und würzige Speisen geben. Man trinkt gut gelagerte, alte Weine. Dann vernichtet Gott auf dem Zion den Trauerschleier, der allen Völkern das Gesicht verhüllt».

Wenn die Macht des Todes gebrochen ist, darf gelacht und gefeiert werden, mit kulinarischen Hochgenüssen getafelt und mit Herzenslust gefeiert und getrunken werden, denn das Essen hält Leib und Seele zusammen und trotzt auf seine Weise dem Tod. Doch es geht bei weitem nicht nur um das Stillen unserer elementaren materiellen Grundbedürfnisse, sondern die Funktion des Festes ist vor allem, dass es Menschen an einen Tisch zusammenbringt. Solche, die sich mögen und andere, die sich vorher eher aus dem Weg gingen. Im gemeinsamen Essen teilen wir nicht nur schmackhafte Speisen miteinander, sondern zeigen einander auch sichtbar unsere menschliche Seite, unsere Bedürftigkeit und verletzliche Seite. Aus diesem Grund vermag gemeinsames Essen zu versöhnen, zu befrieden und das Gemeinsame, Verbindende offensichtlich zu machen. Es eröffnet Gemeinschaft und schüttet Gräben zu, damit wieder ein gangbarer Weg gefunden werden kann. Aus diesem Grund finden bei grossen diplomatischen Anlässen im Anschluss immer Bankette statt. Über Feste und Feiern finden die Menschen zusammen, um gemeinsam zu neuen Ufern aufzubrechen.
 
Machen wir Platz für Wunder
Während der Hochzeit von Kana ging der Wein aus. Die Krüge waren leer. Um in einen Krug etwas hineinzugeben, muss er zuerst leer werden. Damit Jesus sein Wunder wirken kann, musste dies so geschehen. Verstehen wir uns selbst als Krüge, kann etwas Neues nur in uns eindringen und uns erfüllen, wenn noch Platz in uns ist. Doch wenn wir übervoll sind mit Schreckensnachrichten, Prognosen, Ängsten, Erlebnissen, Arbeit, Filmen und WhatsApps, hat es keinen Platz mehr für das unerwartete Schöne. Wie soll da noch Platz sein für ein Wunder, das meist auf ganz leisen Sohlen daherkommt? In der Erzählung der Hochzeit von Kana wussten nur Jesus, seine Mutter und die Diener Bescheid über die Verwandlung von Wasser in Wein. Die ganze geladene Gesellschaft hat nichts mitbekommen.

Verwandlung
Wenn der Wein symbolhaft für das gemeinsame freudige Feiern, ja die Lebensfreude steht, ist uns der Wein auch ausgegangen. Jesus hat die Krüge mit dem füllen lassen, was noch da war: Wasser. Und wir? Lasst uns auch alles in die leeren Krüge füllen, was gerade da ist: alle unsere Ängste, Sorgen, Nöte und Einsamkeiten und auch alles Positive, was uns in unserem Leben begegnet. Am Schluss legen wir den Deckel auf den Krug und übergeben ihn Jesus. Unsere Arbeit ist getan; lassen wir Jesus sein Wunder wirken.

Kaspar Schweizer