Krippenfiguren

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Es ist jetzt Ende Oktober. Wenn Sie diese Zeilen lesen, wird die Adventszeit begonnen haben. In diesem Jahr wird sie anders sein als sonst: Kleinere Weihnachtsfeiern, wenn überhaupt, wahrscheinlich kaum Weihnachtskonzerte… und dass unsere Weihnachtsgottesdienste in vollbesetzten Kirchen stattfinden dürfen, ist ähnlich unwahrscheinlich. Auch Weihnachtsmärkte und Weihnachtsspiele sind mit Abstandsregeln kaum zu vereinbaren und deshalb genauso gefährdet.

Was bleibt? Es bleibt die Hoffnung: die Hoffnung auf das Licht, das um Wintersonnwende neu zunimmt und an Weihnachten in Jesus von Nazareth Gestalt annahm.  
Es bleibt die Liebe und Achtsamkeit, die wir in die individuellen Vorbereitungen legen, ins Guetzli backen, ins Fenster schmücken, ins Geschenke auswählen, in jede einzelne Begegnung mit einem Du….   
Und es bleibt der Glaube, dass die Figuren rund um die Krippe damals und auch unsere Krippenfiguren, dass sie uns bis heute etwas bedeuten können.

Franz von Assisi soll in einer seiner Weihnachtspredigten gefordert haben: «Man muss sich mitten unter die Hirten stellen und mit den Gestalten der heiligen Nacht eins werden.»

Wie geht das? Mit wem würden Sie gern eins werden? Welche der Krippenfiguren, welche der Gestalten aus der Weihnachtsgeschichte ist Ihnen besonders lieb und wichtig?
Sind es die Hirten? Dann müssen wir lernen, das Wenige oder Viele, das wir haben, liegen zu lassen und uns aufzumachen, ohne Garantie auf Erfolg, nur weil wir etwas vernommen haben, was eigentlich gar nicht sein kann. «Euch ist heute der Heiland geboren» und «Friede auf Erden».
Oder identifizieren wir uns mit den singenden Engeln? Dann müssten wir bereit sein, in unserem Alltag, in diesen Adventstagen vom Frieden auf Erden und unter den Menschen nicht nur zu sprechen, sondern wir dürften keine Chance verstreichen lassen, uns für diesen Frieden einzusetzen, bei uns im Bernbiet, im Seeland, aber auch in der grossen weiten Welt.
Möchten Sie vielleicht lieber mit einem der drei weisen und vornehmen Könige, mit den Sterndeutern eins werden? Dann aber müssten wir lernen, auf Zeichen zu achten und diesen zu folgen, auch wenn sie uns in fremde Länder, in unbekannte Gegenden führen, auch wenn wir unsere vertrauten Denkmuster und Gepflogenheiten aufgeben müssen.
Vielleicht dann doch lieber Joseph? Dann sollten wir unser Herz weit werden lassen, damit wir unseren Mitmenschen viel Vorschussvertrauen schenken, so wie Joseph damals, als Maria ihm etwas vom heiligen Geist und von Schwangerschaft erzählte. Wir müssten unserer inneren Stimme trauen und unseren Träumen auch, und wir müssten der Versuchung widerstehen, Menschen zu blamieren, nur weil wir nicht verstehen, was mit ihnen geschehen ist.
Und falls wir uns mit Maria identifizieren, dann müssten wir bereit sein, die eigenen Lebensträume und Pläne zu hinterfragen und uns den Aufgaben stellen, die manchmal ganz überraschend und ungeplant, vielleicht sogar unerwünscht in unser Leben einbrechen.

Ja, mit den Gestalten der Heiligen Nacht eins werden, das ist gar nicht so einfach, weil wir dafür immer Veränderung zulassen müssen, so wie damals die Menschen sich verändern liessen durch den Glanz des Sterns, durch den Gesang der Engel, durch die Botschaft vom «Friede auf Erden».

Ich bin froh, dass ich solches «Eins-Werden» auch in diesem Jahr einüben kann, freue mich, diese besondere Zeit mit Ihnen gemeinsam erleben zu dürfen und wünsche Ihnen eine erwartungsfrohe, lichtvolle Adventszeit und gesegnete Weihnachtstage.

Renate von Ballmoos, stellvertretende Pfarrerin