Spuren der Hoffnung

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Welche Ihrer Hoffnungen haben sich erfüllt im zu Ende gegangenen Jahr? Was für Spuren der Hoffnung haben Sie entdeckt? Was für Spuren der Hoffnung gibt es im Blick aufs neue Jahr?

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Wenn wir die Weltentwicklung in den Blick nehmen, so regt diese nicht unbedingt zu Freudensprüngen an. Grosse Teile der Natur sind bedroht. Soziale und politische Stabilität sind ebenso bedroht, auch die demokratischen Strukturen.

Natürlich ist es gut, wenn wir uns über diese Weltentwicklungen informieren. Aber manchmal können uns gewisse Bilder (Krieg, Zerstörung) fast überfordern. Es gibt hier Grenzen – auch für uns.

Mir hilft jeweils, wenn ich eine kleine Tour, mit dem Fotoapparat ausgerüstet, unternehme. Das Schöne liegt manchmal ganz nahe. Kürzlich stand ich auf der Aarebrücke in Safnern. Fast wollten dunkle Wolken die Gegend beherrschen. Da drang die Sonne durch diese hindurch, und es breitete sich ein helles Strahlenmeer über Wasser und Land aus. Sofort leuchtete das farbige Laub der Bäume in verschiedensten Gelb-, Rot- und Brauntönen auf. Es ist jedes Mal für mich ein neues Wunder. Nie ist so ein wunderbares Naturbild gleich. Da fühle ich grosse Weite um mich herum und in mir. Mein Atem geht tief und ruhig. Es ist, als ob ich nicht nur zu dieser Landschaft gehören würde, sondern, als ob ich Anteil hätte am Luftzug, am Atem des Schöpfers, unseres Gottes, der die Schöpfung durchwaltet. Es gibt so viel Schönes und Erhaltenswertes im Leben – schon vor der Haustür oder nur einige Kilometer von ihr entfernt. All das ist ein Geschenk unseres Schöpfers, und wir gehören gleichsam zu seinem weiten Atem. Es lohnt sich, und es ist dringend notwendig, dass wir Sorge tragen zur Mitschöpfung. Wir sind ein Teil von dieser.
Wie sehr freue ich mich mit, wenn ich Kinder draussen in der Natur spielen sehe. Wie sehr freue ich mich, wenn Erwachsene jeglichen Alters beispielsweise Richtung Jensberg spazieren, der übrigens auch in schönen Herbstfarben leuchtete.

Konkret denke ich, dass eine innere Rückkehr zur Natur, die uns umgibt, eine Spur der Hoffnung ist. Es ist eine genussvolle, fast spielerische Weisung – im Grunde von Seiten des Schöpfers – dass wir die Mitnatur schätzen und schützen. Dies wirkt sich aus auf die Ausgestaltung unseres Lebens. Wir müssen nicht alles haben und besitzen; es geht vielmehr um ein innerlich erfülltes Sein in der Welt (Sein statt fast nur Haben). Dies mögen wir Kindern und anderen jeglichen Alters weitergeben. Dies ist keine Morallektion, sondern ein Leben mit Spuren der Hoffnung für uns und andere im Leben.
Aus der Achtung vor der Schöpfung und einer neuen Nähe zu dieser folgt fast wie von selbst, dass wir die Augen offen haben für Menschen, die uns im Alltag begegnen. Der Weitblick, den uns die Mitschöpfung schenkt, öffnet uns für Mitmenschen, die sich freuen oder die Schweres erlebt haben bzw. erleben. Weitblick können wir auch mit «Güte» ausdrücken. Beides gehört zusammen; diese dürfen wir uns und Mitmenschen zuwenden. So sind wir eingeladen, Spuren der Güte zu legen, seien sie äusserlich noch so klein. Jede zählt auf dieser Welt. Viele zusammen ergeben eine schöne Vielzahl. Da bewahrheitet sich der Psalmvers 65, 12: «Du krönst das Jahr mit deiner Güte, und deine Spuren triefen von Segen (reicher Ernte).»

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen ein segensreiches neues Jahr mit Spuren der Güte, die Ihnen begegnen und die Sie selber zu legen vermögen.

Ueli von Känel, Pfarrer