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«Es guets Nöis»


Wie lange darf man das eigentlich sagen? Bis zum Dreikönigstag? Bis der Januar vorbei ist? Oder so lange, bis es sich auch wirklich neu anfühlt?

«O dir es guets Nöis!» – eine Floskel, die wir fast automatisch aussprechen. Doch was wünschen wir uns damit eigentlich? Ein bisschen Glück? Gesundheit? Oder doch die leise Hoffnung, dass tatsächlich etwas neu wird?

Mit dem Jahreswechsel verbinden viele Menschen gute Vorsätze – mehr Bewegung, weniger Stress, bewusster leben. Der Wunsch nach Veränderung ist gross: Das Leben leichter, hoffnungsvoller, besser gestalten. Doch was, wenn sich das neue Jahr gar nicht neu anfühlt? Wenn Krisen bleiben, Erschöpfung nicht weicht und die Welt unverändert schwierig erscheint?

Mitten in dieses Spannungsfeld hinein spricht die Jahreslosung 2026:

«Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu.» Offb 21, 5.

Grosse Worte. Vielleicht zu gross? Oder gerade deshalb genau richtig?

Die Jahreslosung 2026 stammt aus der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel. Inmitten der oft geheimnisvollen und bildhaften Sprache spricht Gott eine klare Hoffnung aus: Eine Welt ohne Leid, Schmerz und Tod, in der alle Tränen getrocknet werden (Offb 21,4).
«Siehe, ich mache alles neu», heisst es da – eine Zusage, die mitten in unsere Gegenwart wirken will.

Denn diese Verheissung gilt nicht erst dann, wenn alles gut ist. Sie wird mitten in den Spannungen, im Unfertigen, im Überfordernden gesprochen. Das Neue beginnt nicht erst nach dem Ende – es beginnt im Chaos.

Doch was bedeutet das für uns heute?
Viele spüren, wie schwer Veränderung fällt, selbst wenn der Wille da ist. Gute Vorsätze helfen meist nur kurz. Alte Gewohnheiten kehren zurück, Herausforderungen bleiben. Die Euphorie des grossen «Neu» schrumpft zu einem vorsichtigen «Vielleicht später». Inmitten dieses Alltags erscheint die Verheissung «Ich mache alles neu» wie eine ferne Hoffnung.

Doch gerade hier ist sie ein lebendiger Zuspruch. Die Jahreslosung will nicht vertrösten. Sie stellt sich der Hoffnungslosigkeit entgegen und ruft uns zu: Die Geschichte ist noch nicht abgeschlossen. Gott wirkt – auch heute.

Es ist nicht unser Projekt. Nicht das Ergebnis besonders disziplinierter Vorsätze oder spiritueller Höchstleistungen. Sondern ein Geschenk. Eine Zusage Gottes.

Nicht: «Ihr müsst alles neu machen.»
Nicht: «Wenn ihr euch nur genug bemüht.»
Auch nicht: «Wenn ihr nur genug glaubt.»

Sondern: Gott verheisst. Gott handelt. Gott beginnt neu.
«Siehe, ich mache alles neu» – das ist keine blosse Ankündigung, sondern eine Einladung zum Vertrauen. Zum Vertrauen darauf, dass Gottes Zusage gilt und dass er wirkt, auch wenn wir es noch nicht immer sehen.
Das Neue beginnt oft leise, mit einer mutigen Entscheidung. Eine Entscheidung, die die Spannung von «Schon jetzt» und «Noch nicht» aushält.
Das «Schon jetzt» zeigt sich in den kleinen, positiven Veränderungen und überall dort, wo wir Gott mitten im Alltag erleben. Das «Noch nicht» lässt uns manchmal zweifeln, erinnert uns aber zugleich daran, hoffnungsvoll an der Vollendung des «Schon jetzt» festzuhalten.

So gesehen ist der Wunsch «Es guets Nöis!» mehr als eine Floskel. Er drückt die Sehnsucht und Hoffnung aus, dass wirklich etwas neu wird. Vielleicht nicht sofort. Vielleicht nicht laut. Aber echt.

Denn Gott spricht: «Siehe, ich mache alles neu!»

Corina Mattli