Losung für das neue Jahr

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Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstossen.
Johannes 6,37

Jedes Jahr bestimmt die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen eine Losung für das neue Jahr. Die Arbeitsgemeinschaft besteht heute aus 24 christlichen Dachverbänden.

Der Text der Jahreslosung 2022 lautet: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstossen (Joh 6,37).

Die Jahreslosung ist ein Leitvers für das Jahr. Der Text begleitet Menschen durch das Jahr, er regt zum Nachdenken an und soll auch dazu motivieren, sich mit der biblischen Geschichte zu beschäftigen.

Die Jahreslosung 2022 stammt aus dem Johannesevangelium. Dieses Buch unterscheidet sich von den anderen Evangelien. Als Verfasser ist der Apostel Johannes, der als Lieblingsjünger von Jesus bezeichnet wird. Das Johannesevangelium thematisiert die Einheit Jesu mit Gott, seinem Vater. Man nennt es auch das Evangelium der drei L., Licht, Liebe, Leben.

 

Der Text der Jahreslosung wurde etwas gekürzt – der ganze Vers aus dem Johannesevangelium und die nachfolgenden lesen sich wie folgt: «In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Alles, was der Vater mir gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen; denn ich bin nicht vom Himmel herabgekommen, um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Das aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich keinen von denen, die er mir gegeben hat, zugrunde gehen lasse, sondern dass ich sie auferwecke am Jüngsten Tag. Denn das ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, das ewige Leben hat und dass ich ihn auferwecke am Jüngsten Tag.»

Der Text der biblischen Geschichte schildert einen besonderen Moment des Umbruchs. Vorausgegangen sind andere Ereignisse: Am Tag zuvor sitzt Jesus mit seinen Jüngern auf einem einsamen Berg, als fast 5000 Männer kommen, um ihn zu sprechen. Und dann vollbringt Jesus ein Wunder: Aus fünf Broten und zwei Fischen, die er von einem Knaben gereicht bekommt, macht er genug, um die grosse Menschenmenge zu sättigen und am Schluss bleiben zwölf Körbe mit Resten übrig.

Am Abend steigen die Jünger vom Berg hinab und besteigen ein Schiff. Als sie sich mitten auf dem See befinden, sehen sie Jesus auf dem See gehen und sich dem Schiff nähern. Sie fürchten sich zunächst, doch nehmen sie Jesus in ihr Boot auf und erreichen sicher das andere Ufer.

Einen Tag später wollen die Menschen, die die «Speisung der Fünftausend» erlebt haben, mit Jesus sprechen – doch sind weder er noch seine Jünger zu finden, woraufhin sie ebenfalls mit ihren Schiffen ans andere Ufer des Sees fahren. Sie entdecken Jesus und bestürmen ihn mit Fragen. Jesus weicht den Fragen nicht aus, sondern beantwortet sie mit der schlichten und provozierenden Antwort, sie müssten ihm nur vertrauen, denn er sei das Brot des Lebens. Die Menschenmenge reagiert verstört, die Meinungen gehen auseinander, an den Aussagen scheiden sich die Geister.

Die Botschaft der biblischen Geschichte lautet: Die Zeichen sind eine Vorstufe, entscheidend ist das Vertrauen auf den, der nicht nur Brot vermehren kann, sondern von sich sagt: Ich bin das Brot des Lebens (Joh 6,48).

Pfr. P. Moser